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Cannes Yachting Festival 2026 — die 49. Ausgabe

Europas größte Messe im Wasser eröffnet in Cannes die Yachtsaison. Wir schauen, was wo liegt, wer Premieren zeigt und woher die Firmen kommen, über die am meisten gesprochen wird.

Vieux Port in Cannes mit vertäuten Yachten und der Stadt im Hintergrund
Vieux Port in Cannes — einer der beiden Messehäfen. Foto: Jorge Láscar, Lizenz CC BY 2.0, Wikimedia Commons.

Das Cannes Yachting Festival 2026 findet vom 8. bis 13. September 2026 statt und ist die 49. Ausgabe der Messe. Der Veranstalter RX France kündigt mehr als 680 Aussteller und über 700 Boote im Wasser in zwei Häfen an: Vieux Port und Port Canto. Es ist die erste große Messe der Saison und der Ort, an dem die Werften traditionell die Modelle für das kommende Jahr vorstellen.

Unten steht, was sich heute in Quellen belegen lässt: die Zahlen dieser Ausgabe, die Aufteilung auf die Häfen, die Liste der angekündigten Premieren sowie der historische Hintergrund der Werften und der Messe selbst. Veränderliche Angaben — Ticketpreise, genaue Öffnungszeiten, die Besetzung der Stände — prüfen Sie bitte direkt beim Veranstalter, denn sie können sich im Lauf der Woche ändern.

Die Ausgabe 2026 in Zahlen

Die Unterlagen des Veranstalters und die Fachberichte unterscheiden sich im Detail — das ist normal, weil ein Teil der Zahlen vor der Messe veröffentlicht und gerundet wird. Wir nennen sie mit Quelle, statt sie zu mitteln.

  • Termin
    Dienstag bis Sonntag, 49. Ausgabe; die Ausgabe 2020 fiel wegen der Pandemie aus
    8.–13. September 2026
  • Aussteller
    Zahl des Veranstalters (RX France) von der Messe-Website
    680+
  • Boote im Wasser
    der Veranstalter nennt 710+ im Bereich 5–55 m; Boat International schreibt im Guide vom 30. Juli 2026 von 700 Booten zwischen 5 und 50 m
    ca. 700
  • Weltpremieren
    von Boat International auf Basis der Ausstellermeldungen genannte Zahl
    150
  • Erwartete Besucher
    der Veranstalter nennt 56.600 Personen; Fachmedien runden auf 56.000
    ca. 56.000

Zum Vergleich: 2012, bei der 35. Ausgabe, hatte die Messe 438 Aussteller und 45.155 Besucher. Vierzehn Jahre später ist die Zahl der Aussteller um die Hälfte gewachsen, die Besucherzahl um etwa ein Viertel — die Veranstaltung ist vor allem in die Breite gewachsen, hin zu größeren Booten und Ausrüstung, nicht hin zu größeren Menschenmengen.

Vieux Port und Port Canto — zwei verschiedene Messen in einer Stadt

Die Aufteilung auf die beiden Häfen ist der Schlüssel zur Planung des Besuchs, denn der Weg dazwischen kostet Zeit. Der Veranstalter lässt alle 15 Minuten ein Shuttleboot fahren.

Vieux Port ist der Motorbereich, das „Home of Power“: Motorboote von 12 bis 50 Metern, Flybridges, Open-Boote, Trawler und RIBs. Die größten Boote wurden an den Quai Max Laubeuf verlegt. Für Motorkatamarane ist das Power Cat Village abgetrennt, Ausrüstung und Beschläge stehen im Palais des Festivals.

Port Canto steht für Segeln und Lifestyle. Der Hafen hat einen Rundweg von etwa 2,5 km, der die Zonen verbindet: einen Segelbereich mit — laut Veranstalter — der weltweit größten schwimmenden Flotte von Segelbooten und 120 neuen Modellen über 10 Meter, die Power Boat Marina mit 180 Dayboats bis 12–13 Meter, einen Brokerage-Bereich mit über 45 Booten über 25 Meter sowie eine Zone für Wassersportausrüstung.

In der Praxis heißt das: Wer ein Boot bis 13 Meter kauft, und wer eine Superyacht kauft, laufen über zwei verschiedene Veranstaltungen. Wenn Sie mit einem konkreten Budget kommen, beginnen Sie am besten in dem Hafen, der zu Ihrer Bootsklasse passt, und heben Sie den anderen für den Rest des Tages auf.

Die Premieren, über die schon vor der Messe gesprochen wird

Die lauteste polnische Premiere ist die Sunreef ULTIMA 88. Die Werft aus Gdańsk stellt in beiden Häfen aus — am Stand PAN089 im Vieux Port zeigt sie die ULTIMA 88, die 80 Sunreef Power und die 100 Sunreef Power, am Stand SAIL162 im Port Canto die Segelkatamarane Sunreef 60, 70 und 80. Laut der Premierenübersicht von Megayacht News vom 10. Juli 2026 ist die ULTIMA 88 26,8 Meter lang und rund 9,1 Meter breit (29 Fuß 10 Zoll), läuft 26 Knoten und bekommt eine Ocean Lounge mit Garage für Wassersportgeräte. Die Werft selbst nennt in ihrer Mitteilung keine technischen Daten — sie beschreibt das Modell als Flaggschiff mit automobil inspirierter Formgebung.

Die Princess X90 ist die Weltpremiere der britischen Werft aus Plymouth und das neueste Modell der X-Klasse, also der Linie „Super Flybridge“. Das Boot misst 26,8 Meter (87 Fuß 10 Zoll), hat einen Rumpf der Bauart Hybrid Progressive-Planing, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 28 Knoten und serienmäßig drei Kabinen mit eigenem Bad, optional bis zu fünf. Auf der Pressekonferenz in Cannes im September 2025 bestätigte Princess, dass fünf X90 bereits vor der Premiere verkauft waren und die erste 2026 in Cannes und Genua gezeigt werden sollte.

Galeon, die zweite polnische Marke der Spitzenklasse, zeigt im Vieux Port fünf Modelle: 620 Fly, 560 Fly, 480 Fly, 400 Fly und 430 EXP — so berichtete das deutsche Magazin BOOTE am 17. August 2026. Der Star des Stands ist die 620 Fly mit einem Interieur in der Farbwelt „Ocean“, entwickelt mit dem Büro Insitu & Partners aus Hongkong, und mit den zwei Lösungen, für die die Werft bekannt ist: Beach Mode und Terrace Mode, also klappbare Bordwände und Balkone.

In der Übersicht der Superyacht-Premieren von Megayacht News standen unter anderem außerdem:

  • Amer 42 Explorer „Even Further“
    Stahlrumpf, Eisklasse, Volvo Penta IPS, Eco-Modus
    41,45 m
  • Columbus Atlantique 38M
    mehrstöckige Beach Area statt getrennter Aufenthaltsdecks
    38 m
  • Azimut Seadeck 9
    Volvo Penta IPS, Beach Area mit Pool, Höchstgeschwindigkeit 29 Knoten
    25,6 m
  • Sanlorenzo SHE
    gebaut mit biobasierten Harzen und synthetischem Teak, Silhouette im Stil der 1960er
    25,5 m
  • Nautor Swan Swan 80 „Elvi“
    Regatta- und Fahrtenyacht mit klappbarer Badeplattform
    23,99 m
  • Numarine 27XP
    Explorer mit 2.200 Seemeilen Reichweite bei 8 Knoten und flexiblen Innenaufteilungen
    27 m

Innovation Route — Elektro verlässt die Nische, aber langsam

2026 führt die Messe ihre Innovation Route zum zweiten Mal: einen ausgeschilderten Weg durch Vieux Port und Port Canto, der die Besucher zu den als besonders innovativ und besonders nachhaltig bewerteten Lösungen führt. Bewerbungen wurden bis zum 17. Juli 2026 angenommen, die Preise werden in vier Kategorien vergeben — beste navigationsverbessernde Ausrüstung, bestes nachhaltiges Produkt, bestes innovatives Boot und beste CSR-Initiative — plus einem Sonderpreis der Jury. Die Ergebnisse werden beim Ausstellerempfang am Dienstag, 8. September, bekanntgegeben.

Behalten Sie die Verhältnisse im Blick: Elektro- und Hybridantriebe machen noch immer weniger als 8 % des weltweiten Marktes für Freizeitboote aus. Zugleich sind sie einer der wichtigsten Wachstumstreiber, die die Branche nennt, die Route ist also eher eine Richtungsansage als eine Beschreibung des Ist-Zustands. In früheren Ausgaben wurden unter anderem der Katamaran MODX 70 (der erste vollelektrische Katamaran dieser Größe), die Hybrid-Superyacht Benetti B.YOND 37M, die Segelyacht VAAN R5 aus zu 95 % recycelbarem Aluminium, der autonome solarelektrische Katamaran Millikan sowie das System SEA.AI WATCHKEEPER ausgezeichnet, das Hindernisse im Kurs mit maschinellem Lernen erkennt.

Neu im Kalender ist auch die Verleihung der Best of Boats Awards, die erstmals in Cannes stattfindet — am Mittwoch, 9. September, um 18:00 Uhr, mit einer Jury aus 15 Ländern.

Woher die Werften der diesjährigen Premieren kommen

Eine Modellpremiere ist meist das Ende eines mehrjährigen Prozesses und ein Ergebnis der Firmengeschichte, nicht eine Idee aus dem letzten Quartal. Die drei Marken, die in diesem Jahr in Cannes am meisten zu zeigen haben, sind dafür ein gutes Beispiel.

Sunreef Yachts — 24 Jahre von der Idee zum Flaggschiff

Sunreef entstand 2002 in Gdańsk; Gründer und Präsident ist Francis Lapp. Die Wahl der Stadt begründet die Werft mit der Tradition im Schiffbau und der Verfügbarkeit qualifizierter Fachleute. Schon ein Jahr nach dem Start, 2003, lief die Sunreef 74 CHE vom Stapel — vom Unternehmen beschrieben als weltweit erster hochseetauglicher Luxuskatamaran mit Flybridge. Das war der Moment, in dem „Katamaran“ in diesem Segment nicht mehr nur Charterboot bedeutete. Heute umfasst das Programm Segelkatamarane ab der Sunreef 50, die Motorlinien Sunreef Power und Ultima sowie Superyachten der Explorer-Serie, und die Werft investiert seit Jahren konsequent in Elektroantrieb und Energiegewinnung an Bord.

Galeon — von kleinen Booten bei Gdańsk zu klappbaren Bordwänden

Galeon gibt es seit 1982. Die Zeitleiste, die die Werft selbst veröffentlicht, zeigt gut, wie in dieser Branche eine Marke entsteht:

  • 1982
    die Werft nimmt die Arbeit auf; am Anfang vor allem kleinere Boote
    Start
  • 1992
    erste internationale Zusammenarbeit mit einem französischen Hersteller und Eintritt in die europäischen Märkte
    Export
  • 1996
    die Modelle 280 FLY und 380 FLY mit Innenbordern
    Flybridge
  • 2003
    Zusammenarbeit mit dem britischen Designer Tony Castro
    Design
  • 2006
    eine größere Werft in Gdańsk wird eröffnet
    Größe
  • 2010
    Debüt des Flaggschiffs 780 FLY
    Flaggschiff
  • 2015
    die preisgekrönte 500 FLY mit klappbaren Bordwänden — eine Lösung, die später die halbe Branche kopierte
    Beach Mode
  • 2019
    die 400 FLY bringt den Beach Mode in eine kleinere Bootsklasse
    Kleinere Klasse
  • 2023
    die 560 FLY gewinnt die World Yachts Trophy für die beste Weiterentwicklung — verliehen in Cannes
    Auszeichnung
  • 2025
    die 620 FLY führt den Terrace Mode ein — das Modell, das in diesem Jahr in Cannes gezeigt wird
    Terrace Mode

Princess Yachts — 61 Jahre und fünf Standorte in Plymouth

Princess begann 1965 in Plymouth als Marine Projects (Plymouth) Ltd, gegründet von Brian Phillips, Cliff Viney und David King; den Namen Princess Yachts International plc nahm die Firma 2001 an. Die Eigentümergeschichte ist typisch für große europäische Werften: 1981 kaufte der südafrikanische Unternehmer Graham J. Beck das Unternehmen, im Juni 2008 übernahm der von LVMH und Groupe Arnault mitgetragene Fonds L Capital 2 FCPR 75 % der Anteile (ab 2016 als L Catterton), und im Februar 2023 wurde die amerikanische KPS Capital Partners Eigentümerin. Die Produktion verteilt sich auf fünf Standorte in Plymouth mit zusammen über 1,1 Millionen Quadratfuß, darunter South Yard, 2012 von der Royal Navy übernommen. Die Beschäftigung erreichte rund 3.200 Personen.

Der polnische Faden: ein Land, das 25.000 Boote im Jahr baut

Dass zwei der lautesten Premieren in Cannes aus Gdańsk kommen, ist kein Zufall. Nach Angaben der polnischen Agentur für Investitionen und Handel (Material vom 17. Januar 2025) verlassen jährlich rund 25.000 Yachten und Boote die polnischen Werften, was Polen zum europäischen Marktführer und weltweit zur Nummer zwei bei Motoryachten mit einer Rumpflänge bis 12 Meter macht. In der Branche arbeiten rund tausend Firmen und über 50.000 Menschen, und 95 % der Produktion gehen in den Export.

Diese Struktur erklärt zwei Dinge auf einmal. Erstens, warum polnische Marken gerade bei mittelgroßen Motorbooten stark sind — dort liegen Stückzahl und Erfahrung. Zweitens, warum die Premieren in Cannes stattfinden und nicht in Polen: Der Kunde ist im Ausland, also reist das Boot dorthin, wo der Kunde ohnehin schon ist.

Kurze Geschichte der Messe: vom lokalen Salon zum Auftakt der Saison

Die Messe startete 1977 unter dem Namen Salon de la Navigation de Plaisance, der bald in Festival International de la Plaisance de Cannes geändert wurde. Der Name Cannes Yachting Festival gilt seit 2014. Die Veranstaltung nutzt von Anfang an, was Cannes reichlich hat: zwei Tiefwasserhäfen, Hotelkapazität und ein internationales Publikum, das ohnehin an der Côte d'Azur ist.

Die Veranstaltung findet jedes Jahr im September statt und ist der erste große Salon der Saison, was eine praktische Folge hat: In Cannes wird die Reihenfolge der Premieren für den Rest des Jahres gesetzt, vor Monaco, Genua und Fort Lauderdale. Die Ausgabe 2020 fiel wegen der Pandemie aus. Veranstalter ist heute RX France, eine Tochter von RX Global; die Messe bleibt mit dem französischen Verband der Wassersportwirtschaft verbunden.

Wie Sie das nutzen, wenn Sie nicht nach Cannes fahren

Messepremieren sind ein guter Bezugspunkt beim Gebrauchtkauf. Ein Modell, das heute debütiert, erreicht in drei bis vier Jahren den Gebrauchtmarkt, und die heute als Neuheit gezeigten Lösungen (klappbare Bordwände, Beach Areas, Hybridantriebe) sind dann der Standard, an dem ältere Boote gemessen werden. Wenn Sie einen Kauf planen, lohnt es sich zu verfolgen, was die Werften zwischen den Generationen ändern — das ist oft eine Antwort auf reale Reklamationen und Serviceprobleme des Vorgängermodells.

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Kurz gefasst

  • Cannes Yachting Festival 2026: 8.–13. September, 49. Ausgabe, zwei Häfen
  • Über 680 Aussteller, rund 700 Boote, 150 angekündigte Weltpremieren
  • Polnische Premieren: Sunreef ULTIMA 88 und Galeon 620 Fly; britische: Princess X90
  • Die Innovation Route zeigt zum zweiten Mal nachhaltige Lösungen; Elektro und Hybrid liegen weiterhin unter 8 % des Marktes
  • Vieux Port sind Motorboote und Superyachten, Port Canto sind Segel, Dayboats und Broker

Quellen

Abgerufen: 7. September 2026. Cannes Yachting Festival — Website des Veranstalters, Boat International, Guide zur Ausgabe 2026 (30.07.2026), Megayacht News, Superyacht-Premieren (10.07.2026), Sunreef Yachts — Ankündigung zur Messe, Sunreef Yachts — über die Werft, Galeon Yachts — Geschichte, BOOTE, Galeons Modelle in Cannes (17.08.2026), YachtBuyer, Ankündigung der Princess X90, Princess Yachts — Firmengeschichte, Marine Industry News, Innovation Route 2026, Cannes Yachting Festival — Geschichte der Ausgaben, PAIH zur polnischen Bootsbauindustrie (17.01.2025)